Mediation in einem Theaterstück?

Der Regisseur und Autor Marc von Henning hat ein Theaterstück geschrieben und inszeniert. Das Besondere an dem Stück „Es gibt nichts Größeres als die kleinen Dinge“ ist, dass sich die Handlung um eine Mediation „dreht“.

In den Reutlinger Nachrichten wird über den Autor, die Premiere und dem Inhalt des Stückes berichtet. Es soll „ein Verkehrsunfall mit Todesfolge […] per Mediation aufgeklärt werden“.

Das Stück biete „großartige Voraussetzungen“, denn „die Teilnehmer wollen eigentlich gar nicht da sein, wollen nicht über die Sache reden, und sie mögen sich nicht“.

Nach anfänglicher Begeisterung für die Idee, die Mediation als Rahmen für ein Theaterstück zu verwenden, bin ich über die Beschreibung des Stückes aber schnell enttäuscht worden.

Ein wesentlicher Bestandteil der Mediation ist die Freiwilligkeit der beteiligten Medianten. Die Mediation bietet einen Raum, um gemeinsam einen Konflikt zu lösen. Dazu ist es unerlässlich, dass beide Parteien Ihre Bereitschaft zu Mitarbeit erklären und zeigen.
Wenn eine der Parteien „nicht da sein“ kann oder „nicht über die Sache reden“ will, wie es im Artikel beschrieben ist, dann wird dies lediglich ein Zusammentreffen zweier Parteien zu einem klärenden Gespräch werden, aber keine Mediation.

Des Weiteren wird in dem Artikel nicht ersichtlich, welche Konflikte mit Hilfe der Mediation gemeinsam gelöst werden sollen.
Laut Artikel geht es um einen anerkannten Wissenschaftler, der sich „mit seinem bisherigen Leben als Krebsforscher der Rettung von Menschenleben verschrieben hat“. Dieser hat beim Ausparken mit seinem Auto ein Kind zu Tode gefahren. Damit er seine Haftstrafe in Schweden absitzen darf, benötigt er die „Zustimmung der Eltern des verunfallten Jungen, die mittlerweile getrennt sind“.

Aus dieser Beschreibung kein zu lösender Konflikt ersichtlich. Allenfalls ließe sich eine Art Täter-Opfer-Ausgleich erkennen (wobei auch dort von einer „Freiwilligkeit als Grundvoraussetzung“ gesprochen wird).

Wenn, wie in dem Artikel beschrieben der „Ausgangspunkt fürs Stück […] die mehr oder weniger fiktiven Arbeitsprotokolle einer schwedischen Mediatorin aus den 70ern“ sind, hätte dies als Grundlage dienen können, die Vielschichtigkeit menschlicher Kommunikation darzustellen.
Die Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse der beteiligten Parteien böten viel Raum, um schauspielerisch dargestellt zu werden. Die Kommunikation miteinander und die während der Mediation sich ändernden Sichtweisen und Einstellungen der Beteiligten ließen sich gut spielen.
Nebenbei hätte das Verfahren der Mediation ganz anschaulich miterlebt und die Möglichkeiten und Chancen für die Konfliktlösung im Alltag (der Zuschauer) vermitteln werden können.

Wenn es in dem Stück vermutlich nicht gelungen ist*, so finde ich den Gedanken interessant. Vielleicht sollte man mal eine Theater-Mediation entwickeln.

Was meint die Leserschaft?

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*Meine Einschätzung beruht aufgrund des verlinkten Artikels. Ich habe das Stück nicht gesehen. Es besteht also die Möglichkeit, dass der Onlineartikel den Inhalt des Theaterstückes nicht ganz umfassend beschrieben hat.

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